Benninghäuser fragen nach der Geschichte des Arbeitshauses in der NS-Zeit

„Ich bin in Benninghausen aufgewachsen und zur Schule gegangen, aber davon hat mir nie jemand etwas erzählt. Ich habe im damaligen  Landeskrankenhaus als Pfleger gearbeitet, aber auch dort war davon nie die Rede“, erklärte Klaus Neugebauer (57), Pädagoge im Forensischen Zentrum, bei einer Zusammenkunft von Vertretern des Dorfes Benninghausen.

Er meinte die Ereignisse im Arbeitshaus Benninghausen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933. Es gab guten Grund über sie zu schweigen. Noch im Abstand von fast 80 Jahren wirken die Fakten erschreckend. Das verspürten alle, die auf Einladung der Männergruppe der Kirchengemeinde Benninghausen ins Gemeindehaus gekommen waren.

Das Arbeitshaus Benninghausen, in das bis dahin Männer von der Straße, Frauen aus den Rotlichtbezirken der Großstädte, Jugendliche, die keine Heim aufnehmen wollte, und Trinker eingewiesen worden waren, wurde vom Februar bis zum September 1933 zum provisorischen Konzentrationslager. Politische Gegner der Nationalsozialisten, in ersten Linie Kommunisten, viele von ihnen wahrscheinlich Arbeiter der Lippstädter Union, wurden nach Benninghausen gebracht, insgesamt 343 Männer und 3 Frauen. Dort wurden sie nicht
vom Personal des Arbeitshauses, sondern von der SA bewacht, der paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP. Sie waren wehrlos der Gewalt der SA-Männer ausgesetzt.

Auch das Arbeitshaus selbst wurde unter dem neuen Regime verändert. Die Männer von der Landstraße und die Prostituierten wurden nicht mehr Personen angesehen, die in ein anderes Leben geführt werden sollen, sondern als minderwertige Menschen. Sie fanden sich alle unter dem Verdacht, genetisch auf ein asoziales Leben festgelegt zu sein. Geringe Anzeichen reichten, um eine Zwangssterilisierung zu begründen.

Der Opfer der Gewaltherrschaft soll in Benninghausen in diesem Jahr gedacht werden. Darauf einigten sich die Vertreter des Dorfes. Für den 17. Oktober wird Elisabeth Elling-Ruhwinkel, die eine umfassende Untersuchung über das Arbeitshaus Benninghausen veröffentlicht hat, einen Vortrag im Gemeindehaus halten.
Am Volkstrauertag wird der Benninghäuser Opfer der NS-Gewaltherrschaft gedacht werden.

Dabei soll der Blick nach vorn gerichtet werden. „Es kommt darauf an, dass heute jede Art von Ausgrenzung verhindert wird“, erklärte Dr. Martin Gunga. Hartmut Paech-Bruch, der Leiter des LWL-Wohnverbunds, fügte hinzu: „Das Leben entfaltet sich nur dort, wo die ganze Breite des Lebens zur Geltung kommt.“

Die Personen auf dem Foto sind v.l.n.r.
Heinz Gesterkamp, Lehrer am Gymnasium Schloss Overhagen
Klaus Neugebauer, im Text erwähnt
Pfarrer Christoph v. Stieglitz
Dr. Martin Gunga, Arzt in der ambulanten Arbeit des LWL
Rainer Groenewold, Leiter der Männergruppe der Ev. Kgm. Benninghausen
Hartmut Paech-Bruch, Leiter des LWL-Wohnverbunds
Rita Woermann, Pfarrgemeinderat St. Martin Benninghausen
Josef Franz, Ortsvorsteher
Christian Druffel, Ehemalige Soldaten
Engelbert Röllgen, Schützenverein St. Martin
Dietmar Stahn, Fördergemeinschaft für Heimatpflege

Freundeskreis Kapelle Overhagen

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