Die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Benninghausen

1.  Der Ursprung, die Anstaltsgemeinde

Die Anfänge der Evangelischen Gemeinde fallen mit der Gründung des Landarmenhauses in Benninghausen zusammen. Dies wird von der Provinz Westfalen im Jahr 1820 im ehemaligen Kloster gegründet und nimmt Menschen ohne Wohnsitz auf. Zu ihnen gehören Evangelische, die, von der aufkommenden Industrie angezogen, in das Ruhrgebiet und die umliegende Bezirke einwanderten, aber nirgendwo heimisch werden konnten.
Auch viele der Wärter kommen mit ihren Familien aus evangelischen Gebieten Preußens.
Die Seelsorge für beide Gruppen übernehmen evangelische Pfarrer im Dienst des Staates.
Der Seelsorgedienst bleibt in den Folgejahren bestehen, während sich die Einrichtung zum Provinzial-Arbeitshaus, weiter zur Landespflege-anstalt, dann zum Landeskrankenhaus für psychisch Kranke und schließlich zum LWL-Pflegezentrum, zum LWL-Wohnverbund und zur LWL-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie wandelt.

Im Jahr 1883 wird die Anstalt Benninghausen durch die neu gegründete Anstalt in Eickelborn ergänzt.
Damit wächst die Anstaltsgemeinde aus den an beiden Orten untergebrachten Personen und den Pflegern und ihren Familien.

1913 wurde die Zahl der in Benninghausen untergebrachten Personen so groß, dass der Betsaal mit Platz für an die 100 Personen nicht mehr ausreichte.
Auch die katholische Dorfkirche konnte neben den Bewohnern des Dorfes die katholischen Insassen nicht mehr fassen. Deshalb wurde das Erdgeschoss eines Wirtschaftgebäudes zur paritätischen, das heißt von beiden Konfessionen genutzten, Anstaltskirche umgebaut.
Die Gottesdienste für die Konfessionen wurden nacheinander gehalten. Für den evangelischen Gottesdienst wurde der katholische Altar anfangs mit einem Vorhang abgetrennt. Davor wurde dann für den evangelischen Gottesdienst ein Altartisch mit einem schlichten Kreuz aufgestellt.

Von 1918 bis 1928 war der ehemalige Missionar Wilhelm Gericke Pfarrer in Benninghausen und Eickelborn.
In seiner Zeit baute die Provinz Westfalen die evangelische Anstaltskirche in Eickelborn.
Sie bot im Schiff Platz für 260 Patienten und auf der Empore für 60 Personen aus den Familien der Bediensteten.
Sie rahmte als repräsentatives Gebäude an der Hauptstraße zusammen mit der etwa zur gleichen Zeit gebauten katholischen Anstalts- und Dorfkirche das Verwaltungsgebäude der Eickelborner Anstalt ein.
In der NS-Zeit wurde die Seelsorge im Nebenamt von Lippstädter Pfarrern versehen.
Diese wurden von der nationalsozialistisch bestimmten Verwaltung des Provinzialverbandes behindert. So durfte den Pfarrern keine Einsicht in die Aufnahmelisten mehr gegeben werden.
Wie die Pfarrer sich zu der Tötung psychisch-kranker Patienten aus Eickelborn verhielten, ist nicht bekannt. Ein stiller Widerstand ging in erster Linie von der katholischen Ortsgemeinde aus.

Nach dem 2.Weltkrieg wurde die Anstaltsgemeinde eine Heimat für die vielen nach Benninghausen und Eickelborn und in die umliegenden Dörfer gekommenen Flüchtlinge.
Jürgis Gunga, der Pfarrer am Landeskrankenhaus Benninghausen, sammelte die Flüchtlingsfamilien über die Jahre seines Wirkens zu einer Gemeinde.
In seiner Zeit wirkten als Krankenhausseelsorger in Eickelborn die Pfarrer Bartz, Giezewski, Bressani und Kammeier.
In den achtziger Jahren wurde die Seelsorge mit je einer halben Stelle in den Bereichen Forensik und Allgemeinpsychiatrie aufgeteilt. Pfarrer Albers kam für die Allgemeinpsychiatrie dazu.
Im Jahr 1983 wurde Christoph v. Stieglitz Gemeindepfarrer der Kirchengemeinde und Krankenhausseelsorger in Benninghausen.
Von 1992 ist er auch für die Seelsorge in den Einrichtungen in Eickelborn zuständig.

2. Die selbständige Kirchengemeinde Benninghausen 

 

Im Jahr 1978 wurde aus dem Seelsorgebezirk, der die Dörfer am westlichen Stadtrand von Lippstadt umfasst, die Evangelische Kirchengemeinde Benninghausen.
Schon 1967 war das Gemeindehaus als Mittelpunkt des Gemeindelebens gebaut worden.
1980 wurde die schon seit den Siebziger Jahren gemietete Schlosskapelle in Overhagen gekauft und renoviert.

1986 wurde das Haus Im Brühl 26, neben dem Gemeindehaus gelegen, als Pfarrhaus gekauft und mit einem Anbau für das Amtszimmer des Pfarrers und das Gemeindebüro versehen.


1995/1996 wurde das Gemeindehaus innen renoviert.


Schwerpunkte des Gemeindelebens sind die Gottesdienste und die Seelsorge, die Frauenhilfe und die Männerarbeit, der Kindergottesdienst und der Konfirmandenunterricht sowie Angebote für Jugendliche im Verbund mit der Jugendkirche Lippstadt-Hellweg.

3. Eine Gemeinde für Menschen in den Dörfern und in den therapeutischen und pflegerischen Einrichtungen

Die aus einer Anstaltsgemeinde hervorgegangene und selbständig gewordene Gemeinde versteht sich als Ort, wo Menschen mit unterschiedlichen Prägungen und Begabungen zusammenkommen. Zu der Gemeinde gehören gegenwärtig 1300 Gemeindeglieder in den Dörfern sowie die evangelischen Patienten im LWL-Zentrum für psychisch kranke Rechtsbrecher, in der LWL-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie im LWL-Pflegezentrum und im LWL-Wohnverbund. 300 von ihnen sind mit erstem Wohnsitz gemeldet.

Freundeskreis Kapelle Overhagen

Gottesdienste