Evangelische Kirchengemeinde Benninghausen

Aktuelles

Adventssammlung der Diakonie

Die Adventssammlung der Diakonie findet auch in diesem Jahr wieder bei uns statt. Viele Frauen und Männer unserer Gemeinde machen sich wie in den vergangenen Jahren auf den Weg zu ihnen. Auch in diesem Jahr können wir nicht alle Gemeindeglieder besuchen. Daher weisen wir hin auf unser Spendenkonto bei der Volksbank Benninghausen, Konto Nr. 200 3262 400, BLZ 416 615 04, und bitten Sie unter dem Stichwort „Adventssammlung Benninghausen“ Ihre Spende zu geben, wenn Sie nicht besucht werden.

Kirchliche und weltliche Bestattung

In der letzten Zeit hat es eine Reihe von Anfragen wegen kirchlicher Bestattungen von aus der Kirche ausgetretenen Personen gegeben. Dabei hat es sich als ungünstig erwiesen, wenn die damit zusammenhängenden Fragen erst besprochen werden, wenn ein Mensch gestorben ist. Das Presbyterium bittet daher, die Familien, in denen ein Mitglied aus der Kirche ausgetreten ist, sich Gedanken zu machen. Das Presbyterium hat sich seinerseits mit dem Thema befasst. Es weist darauf hin, dass kirchliche Bestattungen für alle Gemeinden durch die Kirchenordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen geregelt sind. Dort heißt es in Artikel 216: „Die kirchliche Bestattung setzt voraus, dass die Verstorbenen der evangelischen Kirche angehört haben.“

Das Presbyterium sieht in der Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, eine Entscheidung gegen die kirchliche Bestattung. Es hält es nicht für angemessen, eine kirchliche Bestattung gegen den Willen eines Menschen zu vollziehen. Für Ausnahmen, die nach der Kirchenordnung möglich sind, sind gewichtige Gründe erforderlich. Der bloße Wunsch der Angehörigen reicht nicht aus.

Das Presbyterium geht davon aus, dass es neben der kirchlichen Bestattung würdige weltliche Bestattungen gibt. Eine ganze Reihe von Bestattern bieten diese an. Auch im Fall einer weltlichen Bestattung ist eine Fürbitte im Gottesdienst nach der Beisetzung möglich. Das Presbyterium bittet die Angehörigen, sich, wenn sie das wünschen, an den Pfarrer zu wenden. Auch einem Wunsch nach seelsorglicher Begleitung wird entsprochen werden.

Den Opfern ihre Würde wiedergeben

Ansprache zum Volkstrauertag in Benninghausen am 12.11.2011 von Pfr. Christoph v. Stieglitz

Liebe Benninghäuser Bürgerinnen und Bürger,

in der heutigen Feier zum Volkstrauertag gedenken wir besonders der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Arbeitshaus Benninghausen. Mit dem Erinnern kommen Menschen, die  vergessen waren, in unseren Blick.
Ich nenne heute als Beispiel für viele Gruppen  zunächst die Männer und Frauen, die durch Ausübung staatlichen Zwangs sterilisiert wurden. Es waren Trinker und Kleinkriminelle. Die Wissenschaft der Zeit hatte sich beeilt, sie für erbkrank zu erklären, aus heutiger Sicht völlig unberechtigt. Die Gerichte haben sich nicht gescheut, die Sterilisierung für hunderte von Menschen anzuordnen, auch wenn selbst für damalige Verhältnisse die Gründe schwach waren. Es war nichts anderes als eine besonders grausame Form der Gewaltanwendung. Heute schauen wir hin. Wir können das Leid dieser Menschen nicht rückgängig machen. Unser Erinnern kann aber helfen, dass ihnen etwas von ihrer Würde zurückgegeben wird.
Wir erinnern heute auch an die Männer und Frauen, die in Benninghausen als politische Gefangene gelitten haben. Im ersten Stock des Klostergebäudes war ein provisorisches KZ eingerichtet worden. Dort wurden KPD- und SPD-Mitglieder aus Lippstadt und aus der weiteren Umgebung eingesperrt. Sie wurden dort von der SA gedemütigt und geschlagen, so furchtbar, dass es einige keinen anderen Ausweg mehr sahen, als sich selbst zu töten. Das war ganz am Anfang der Nazi-Zeit, von März bis Oktober 1933. Hier bei uns zeigt sich, wie brutal das Regime von Anfang an gewesen ist. Es gab für die, die als Gegner angesehen wurden, nicht den geringsten Schutz vor der Gewalt gegen Leib und Leben. Das Schlimmste, was in einem Land geschehen kann, das ist in der Zeit bei uns geschehen.  Die Erinnerung führt uns so dahin, der Wahrheit ins Auge zu sehen.
 Ganz unerwartet hat sich neben diese Einsicht etwas Anderes gestellt. Wir wurden aufmerksam auf den katholischen Gemeindepfarrer, der von 1936 bis 1940 in Benninghausen wirkte,  Robert Quiskamp.  Dieser Mann hat gegen die Gewaltanwendung durch die Nazis von der Kanzel protestiert. Er stieß im Dorf auf Widerstand. Aber man wird auch sagen können: Es hat eine Gemeinde gegeben, die diese Verkündigung mitgetragen hat. Wir wissen nicht, wie der Pfarrer sich zu den Menschen im Arbeitshaus verhalten hat. Aber es ist belegt, wie er sich gegenüber den polnischen Zwangsarbeitern verhalten hat, die nach dem deutschen Überfall auf Polen nach Benninghausen gekommen waren. Als einer von ihnen 1939 starb, hat er ihn gegen staatliche Weisung kirchliche bestattet. Pfarrer Quiskamp wurde dafür mit anderthalb Jahren Gefängnis bestraft und konnte danach seinen Dienst nicht mehr fortsetzten und starb im Jahr 1943. Wir dürfen sagen: Es hat uns Menschen gegeben, die angesichts der Gewalt weiter zu ihrem Nächsten gestanden haben. Die Erinnerung lässt  Mut und Menschlichkeit aufleuchten.
Dringen wir auf dem mühsamen Weg des Gedenkens nicht vor zu einem Frieden, den vorher keiner für möglich gehalten hätte?  Es ist ein Friede, der aus dem Fragen, aus dem Stillwerden und aus dem Mitfühlen kommt. Er schließt die Opfer ein. Wohl wird er erschüttert durch den Blick auf das Grauenhafte, was geschehen ist. Aber das verliert seine Macht, weil wir es nicht zudecken, sondern vor Gott bringen. Wir können unseren Weg in diesem Frieden weitergehen. Dazu wird heute auch ein Gebet für die Täter gehören. - Lasst uns in den nächsten Jahren ein Zeichen zur Erinnerung an die Opfer setzen. Lass uns darauf bedacht sein, heute die Würde jedes Menschen zu achten.